Die Schätze des Königs Tutanchamun im Großen Ägyptischen Museum in Kairo
Goldene Totenmaske · Königlicher Thron · Sarkophage · Meteoritendolch · 5.400 Grabbeigaben
Wer das Große Ägyptische Museum in Kairo besucht, steht unweigerlich vor einer Frage: Was war dieser junge König, dessen Name heute auf der ganzen Welt bekannt ist? Tutanchamun – der „Junge König" – regierte das alte Ägypten nur wenige Jahre. Doch was man in seinem Grab fand, als der britische Archäologe Howard Carter es im Jahr 1922 im Tal der Könige entdeckte, machte ihn unsterblich. Das Große Ägyptische Museum in Kairo bewahrt heute diese unschätzbaren Schätze und präsentiert sie der Welt in einem Ausstellungsbereich, der seinesgleichen sucht.
Der Junge König und sein Grab
Tutanchamun war der Schwiegersohn des Pharaos Echnaton und regierte während der 18. Dynastie Ägyptens von 1332 bis 1323 vor Christus. Er bestieg den Thron im Alter von nur neun Jahren und starb mit etwa achtzehn Jahren auf mysteriöse Weise. Als Herrscher gilt er in der Geschichte als eher unbedeutend – doch das Schicksal hatte andere Pläne. Das Grab KV62 im Tal der Könige ist das einzige, das von Grabräubern nahezu verschont geblieben ist. Dieser glückliche Umstand machte es zu einem der bedeutendsten archäologischen Funde aller Zeiten. Howard Carter brauchte zehn lange Jahre, um alle 5.400 Objekte zu katalogisieren.
Heute sind alle diese Schätze im Großen Ägyptischen Museum in Kairo vereint – zum ersten Mal in der Geschichte vollständig an einem einzigen Ort. Die Pyramiden von Gizeh thronen wenige Kilometer entfernt, und doch ist es dieses Museum, das dem staunenden Besucher zeigt, welch unvorstellbarer Reichtum und welch tiefe Kunstfertigkeit hinter den großen Bauwerken Ägyptens stecken.
Die goldene Totenmaske – das berühmteste Kunstwerk der Welt
Das Herzstück der Tutanchamun-Sammlung im Großen Ägyptischen Museum in Kairo ist zweifellos die goldene Totenmaske. Sie ist 54 Zentimeter groß, wiegt über 10 Kilogramm und ist mit Halbedelsteinen verziert. Seit Ende 2025 ist sie dauerhaft im neu eröffneten Großen Ägyptischen Museum ausgestellt.
Die Maske ist ein Meisterwerk altägyptischer Goldschmiedekunst. Eine Röntgenkristallographie aus dem Jahr 2007 ergab, dass sie hauptsächlich aus 23-karätigem Gold besteht, das mit Kupfer legiert wurde, um die Kaltumformung zu erleichtern. Die Oberfläche ist mit einer hauchdünnen Schicht aus zwei verschiedenen Goldlegierungen überzogen – einer helleren Schattierung für Gesicht und Hals und einer anderen für den Rest der Maske.
Er trägt ein Nemes-Kopftuch, das von den königlichen Insignien der Uräusschlange für die Göttin Wadjet und der Geiergöttin Nechbet gekrönt wird – Symbole seiner Herrschaft über Unter- und Oberägypten. Die Edelsteine auf der Maske – Lapislazuli, Türkis, Karfunkelstein und Quarz – symbolisieren nicht nur Schönheit, sondern auch religiöse Bedeutung. Sie sollten den jungen Pharao auf seiner Reise ins Jenseits schützen.
Besonders fesselnd sind die Augen der Maske. Die tiefschwarz schimmernden Augen aus Obsidian ziehen viele Menschen in ihren Bann. Sie scheinen wie ein Fenster in die Seele des jungen Pharao zu sein. Wer im Großen Ägyptischen Museum in Kairo vor diesem Antlitz steht, vergisst für einen Moment alles um sich herum – die Pyramiden draußen, das Rauschen der Stadt. Es bleibt nur dieser stille, ewige Blick eines Jungen, der vor über 3.300 Jahren starb.
Auf der Rückseite und den Schultern der Maske ist ein Schutzzauberspruch in ägyptischen Hieroglyphen eingraviert, der erstmals 500 Jahre vor Tutanchamun auftauchte und in Kapitel 151 des Ägyptischen Totenbuches verwendet wurde. Die Maske ist damit nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein religiöses Dokument – ein Gebet in Gold.
Der goldene Thron – Macht in purem Glanz
Neben der Maske ist der goldene Thron des Tutanchamun eines der spektakulärsten Stücke im Großen Ägyptischen Museum in Kairo. Dieser besonders schöne goldene Thron wurde aus Holz geschnitzt und mit Gold überzogen. Für die Intarsien und Einlagen wurden Silber und Halbedelsteine verwendet. Auf der Rückenlehne des Throns ist eine der zartesten Szenen der ägyptischen Kunst zu sehen: die Königin Anchesenamun, die ihrem Gemahl Tutanchamun eine Salbe auf die Schulter aufträgt – ein Moment der Intimität, festgehalten für die Ewigkeit.
Die Särge und der Sarkophag
Als Howard Carter schließlich den Sarkophag fand, entdeckte er darin drei weitere Särge. Diese zeigten das Porträt des Pharaos sowie das von Osiris, dem Gott der Unterwelt. Darunter befand sich die legendär gewordene Totenmaske. Der innerste Sarg, in dem die Mumie des Königs ruhte, bestand aus massivem Gold – ein unvorstellbarer Aufwand für einen König, der nur kurze Zeit regiert hatte. Im Großen Ägyptischen Museum in Kairo kann man diese Schichtung aus Schreinen, Sarkophag und Särgen heute in ihrer ganzen Pracht nachvollziehen.
Der Dolch aus dem Weltraum
Unter den außergewöhnlichsten Schätzen im Großen Ägyptischen Museum in Kairo befindet sich auch ein Dolch, der buchstäblich von einem anderen Stern stammt. Mithilfe der Röntgenfluoreszenz-Analyse hat der Restaurator Christian Eckmann nachgewiesen, dass der berühmte Eisendolch des Tutanchamun aus Meteor-Eisen besteht. Das Eisen dieses Dolches stammt also aus einem Meteoriten, der einst auf Ägypten niedergegangen war – ein kosmisches Geschenk für einen Pharao, der selbst wie ein Gott verehrt wurde.
Streitwagen, Schmuck und das erste Klappbett der Geschichte
Die Teile von sechs demontierten Streitwagen wurden im Vorraum und an der Nordwand der Schatzkammer entdeckt. Streitwagen gehörten nicht zu den üblichen Grabbeigaben, denn in anderen Pharaonengräbern wurden nur wenige gefunden. Sie zeugen von der militärischen Bedeutung des Königs und seiner Verbindung zur Macht.
Dazu kommen unzählige weitere Objekte: Schmuckstücke, Sandalen, Gehstöcke, Fächer aus Straußenfedern, Musikinstrumente und kunstvolle Möbelstücke. Neuere Untersuchungen beweisen, dass die Ägypter unter der Herrschaft des jungen Königs neue Ideen und Techniken entwickelten. Vom Erfindungsreichtum zeugt unter anderem das erste Klappbett der Geschichte. All diese Objekte sind heute im Großen Ägyptischen Museum in Kairo zu bewundern – auf 7.500 Quadratmetern, eigens für den Jungen König eingerichtet.
Die Pyramiden zeigen die Größe des alten Ägyptens von außen. Die goldene Maske Tutanchamuns zeigt sie von innen.
Ein König, dessen Schätze die Welt veränderten
Die Sammlung des Tutanchamun im Großen Ägyptischen Museum in Kairo ist mehr als eine Ausstellung. Sie ist eine Begegnung mit einer Welt, die vor mehr als 3.000 Jahren verschwand und doch nie wirklich vergessen wurde. Die Pyramiden von Gizeh zeigen die Größe des alten Ägyptens von außen – monumental, steinern, unvergänglich. Die goldene Maske des Tutanchamun zeigt sie von innen – menschlich, zart, unendlich kostbar.
Wer Kairo besucht, wer an den Pyramiden vorbeigeht und das Große Ägyptische Museum in Kairo betritt, wird verstehen: Hinter jedem Stein, hinter jeder Pyramide steckt eine Geschichte. Und keine erzählt diese Geschichte so eindrucksvoll wie das Gesicht eines Jungen aus purem Gold, der uns seit über 3.000 Jahren still und ruhig anschaut.